05. Oktober 2020

Update zum neuen Lebensabschnitt


ABSCHIED UND NEUANFANG – Pfarrerin Andrea Lermen verlässt die Kirchengemeinde Schaffhausen und wechselt in eine Krankenhauspfarrstelle

Nach 22 Jahren hat Pfarrerin Andrea Lermen die evangelische Kirchengemeinde Schaffhausen (zuständig für acht Ortschaften in den Großgemeinden Wadgassen und Überherrn) verlassen und hat zum 1. September die Aufgaben einer Klinikseelsorgerin im Saarbrücker Winterberg-Krankenhausübernommen. Dieser Wechsel ist der 54-jährigen keineswegs leichtgefallen, denn als Gemeindepfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Schaffhausen hat sie sich nach eigenen Worten hier ausgesprochen wohl gefühlt.  „Viele Beziehungen und Freundschaften sind hier entstanden, und ich habe mich hier richtig zu Hause gefühlt,“ betont die Seelsorgerin, die für das letzte Drittel ihres Berufslebens eine neue Herausforderung gesucht hat.

„Ich bin ein Mensch, der nicht gerne stehen bleibt und immer auf der Suche nach neuen Aufgaben und neuer Qualität ist,“ begründet sie ihre Entscheidung. Und das sensible und höchst anspruchsvolle Aufgabenfeld der Krankenhausseelsorge habe sie seit jeher gelockt. Im fortgeschrittenen Lebensalter, wo Beruf und Persönlichkeit nun eng zusammengewachsen sind, sieht sie sich nun dieser Herausforderung gewachsen.

„Ich gehe ausdrücklich nicht, weil ich unzufrieden bin,“ betont Andrea Lermen, die sich für die vergangenen Jahre keine bessere Fachstelle hätte wünschen können, - genau die richtige Größe und ein vielfältiges Aufgabenfeld.

Inzwischen drängen die jungen nach vorne. „Und viele Eltern sind inzwischen jünger als ich“, führt die 54-jährige weiter aus. So braucht auch eine Kirchengemeinde nach einer solch langen Zeit die Chance auf Veränderung und Erneuerung.

Obwohl es erst seit den 70er-Jahren Pfarrerinnen in der evangelischen Kirche gibt, habe sie als Frau keine besonderen Widerstände oder gar Ablehnung erlebt. Vielmehr sei sie sowohl von den Gemeindemitgliedern, den Kollegen und den verschiedenen kirchlichen Gremien zwar stets gefordert, aber auch immer gefördert worden.

„Aber irgendwann muss man sich dann aktualisieren, und auch die Kirchengemeinde braucht ein Update,“ betont Andrea Lermen, die stets mit viel Herzblut, viel Empathie und großem Engagement ihren Beruf ausgeübt hat, der für sie aber auch immer Berufung war. Manchmal vielleicht sogar mit zu großem Einsatz, denn das forderte auch manchmal gesundheitlichen Tribut, zumal sie sich auch in vielerlei kirchlichen Gremien sehr intensiv eingebracht hat.

Und trotz dieser oft immensen Belastungen hat sich Andrea Lermen parallel zu ihrer täglichen Arbeit beständig weitergebildet. Dabei habe sie sich fachlich wie menschlich weiterentwickelt und sieht sich aufbauend auf ihren ganz persönlichen Erfahrungen gut für ihr neues Aufgabenfeld vorbereitet.

Schon während ihrer Vikariatsausbildung kam Andrea Lermen intensiv mit der klinischen Seelsorge in Berührung. Danach hat sie kontinuierlich seelsorgerisch weitergebildet und auch durch berufsbegleitende Superversion weiter dazugelernt.  Das möchte sie auch während ihrer neuen Tätigkeit so fortführen.

In einem ersten Ausbildungsmodul hat sie sich insbesondere mit den Aufgabenfeldern „Person und Rolle der Seelsorgerin“ beschäftigt. In diesem Kurs hat sie sich nach eigenen Worten endgültig dafür entschieden, zukünftig schwerpunktmäßig in der Krankenhausseelsorge zu engagieren. Ihre Fähigkeiten zur Empathie, Intuition und Resonanzfähigkeit wurden ihr in dieser Fortbildung noch einmal ganz bewusst.

In diesem November soll es in einem zweiten Modul nunvor allem um die Arbeit in der Institution gehen. Und ein dritter Kurs soll sich dann 2021 anschließen. Zudem will sie berufsbegleitend eine Supervisionsausbildung beginnen.

Für ihre neue Aufgabe in der Krankenhausseelsorge bringt sie nach eigenen Worten Tugenden wie Beharrlichkeit, Zuverlässigkeit, Disziplin und Fleiß mit. Mittlerweile seien Selbstfürsorge, heitere Gelassenheit und das Wissen um die eigenen Grenzen hinzugekommen. Die befreiende und heilende Wirkung des Humors hat Andrea Lermen nicht zuletzt bei ihrer Ausbildung zur Clownin kennen und schätzen gelernt.

Kontaktfreudigkeit und Aufgeschlossenheit, Verbindlichkeit und Einfühlsamkeit sowie warmherzige und persönliche Zuwendung sind weitere Fähigkeiten, die ihr in der Krankenhausseelsorge zugutekommen werden. Ein weiterer Vorteil dürfte für sie auch sein, dass sie in ihrer bisherigen Arbeit ein gutes Maß an Selbstorganisation, Strukturiertheit und Teamfähigkeit erworben hat.

Im Rahmen ihrer neuen Tätigkeit im Krankenhaus will sie aber nicht nur Ansprechpartnerin für die Patienten, sondern auch für das medizinische Personal, die übrigen Mitarbeiter und für die Institution selbst sein.

                                                                           Rolf Ruppenthal

 

 





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