10. Oktober 2019

Das Saarland benötigt 1350 weitere Fachkräfte für Kindertagesstätten.


Die saarländischen Kindertagesstätten brauchen laut dem „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2019" der Bertelsmann Stiftung 1350 zusätzliche Fachkräfte. Auch Träger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drängen seit Jahren auf qualitative Verbesserungen der Rahmenbedingungen in den Kitas.

„Die Personalschlüssel haben sich in Kindergartengruppen zwar leicht verbessert, sind aber noch nicht kindgerecht", sagte die für Bildung zuständige Stiftungsmitarbeiterin Kathrin Bock-Famulla. Zwischen 2008 und 2018 ist die Zahl des pädagogischen Personals in saarländischen Kitas von 4.191 auf 6.385 gestiegen. Gleichzeitig ist aber auch die Zahl der Kita-Kinder von 29.481 auf 32.706 gewachsen. Dementsprechend habe sich 2018 eine pädagogische Fachkraft in Krippengruppen rein rechnerisch um 3,8 ganztagsbetreute Kinder (2013: 3,7) gekümmert, in Kindergartengruppen um 9,7 Kinder (2013: 10,1). Laut Empfehlung der Stiftung soll eine Erzieherin statistisch aber für höchstens drei Kleinkinder oder 7,5 Kinder über drei Jahren zuständig sein.

Auch die Träger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Saarland drängen seit Jahren auf qualitative Verbesserungen der Rahmenbedingungen in den Einrichtungen. „Dazu gehört angesichts der gewachsenen Aufgaben und Herausforderungen ein verbesserter Personalschlüssel“, sagt Diakonie-Pfarrer Udo Blank, der im Auftrag der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe die Interessen der Evangelischen Träger der Kitas bei der Landesregierung vertritt. „Leider werden die Mittel aus dem Gute-KiTa-Gesetz nur zu einem Viertel zur Qualitätsverbesserung verwendet. Damit wird es wohl nur Entlastungen für ausgewählte Kitas geben.“ Er befürchtet, dass sich die schwierigen Rahmenbedingungen für die meisten wohl nicht ändern werden.

Darüber hinaus gibt es einen seit Jahren bekannten Bedarf an weiteren Kindergärten. „Bereits jetzt gibt es nicht wenige Kinder, die in die Schule kommen ohne je in einer Einrichtung gewesen zu sein“, sagt Blank. „Wenn die Sorge um das Wohl unserer Kinder Ernst gemeint ist, wird es dringend nötig sein, diesem Bildungsbereich im Saarland mehr Aufmerksamkeit und mehr Förderung zukommen zu lassen.

Bundesweit kommen nach dem Ländermonitor derzeit auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft durchschnittlich 4,2 ganztags betreute Krippenkinder unter drei Jahren oder 8,9 ältere Kindergartenkinder, hieß es. Im Ländervergleich zeigt sich ein großes Gefälle: Den besten Personalschlüssel belegen laut Studie seit Jahren die Kitas in Baden-Württemberg, wo nach aktuellem Stand eine Erzieherin jeweils drei Krippenkinder und sieben Kindergartenkinder betreut.

 „Wir haben seit 2012 rund 4.000 zusätzliche Plätze in Krippen und Kitas geschaffen und gleichzeitig die Qualität in unseren Einrichtungen gesteigert", sagte die saarländische Bildungsministern Christine Streichert-Clivot dem Evangelischen Pressedienst (epd).  „Ein Kraftakt, auf den wir stolz sein können." Maßstab seien die beste Bildung und die beste Betreuung. „Aber für dieses Ziel müssen wir noch mehr tun", betonte die SPD-Politikerin. Deshalb flössen die rund 65 Millionen Euro aus dem „Gute-Kita-Gesetz" unter anderem in die bessere personelle Ausstattung von Kitas mit besonderen Herausforderungen, in die Fachkräftegewinnung und die Senkung der Elternbeiträge.

"Der Markt an gutem Personal ist leergefegt"

Im Rahmen des Bundesprogramms „Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher" bietet das Saarland der Ministerin zufolge seit diesem Sommer insgesamt 93 Plätze für ein vergütetes und praxisintegriertes Ausbildungsmodell an Beruflichen Schulen in St. Wendel, Saarbrücken und Saarlouis an. Insgesamt würden an sechs Standorten Erzieher ausgebildet, hieß es.

Derzeit ist der Markt an gutem Personal aber leergefegt. „Der Fachkräftemangel im Kita-Bereich ist in diesem Jahr im Saarland voll angekommen“, stellt Dr. Lutz Albersdörfer, Geschäftsführer des Verbundes Evangelischer Kindertageseinrichtungen im Saarland (VEKiS) fest. 2018 habe es noch genügend Bewerberinnen und Bewerber gegeben. Derzeit gebe es in den 31 evangelischen Kindertagesstätten des VEKiS 13 freie Stellen in Voll- oder Teilzeit. Bewerbungsgespräche würden abgesagt oder die wenigen Bewerberinnen und Bewerber würden trotz Terminvereinbarung erst gar nicht erscheinen.

Albersdörfer ist ziemlich ratlos. „In vielen Kitas gehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon jetzt auf dem Zahnfleisch“, sagt er angesichts der Situation. Keine Lösung für den akuten Bedarf sieht er in der jetzt forcierten Steigerung der Zahl der Ausbildungsplätze. „Diese Menschen kommen für die aktuelle Not zu spät auf den Markt. Vielleicht müssen wir temporär als Notlösung in den klassischen Regeleinrichtungen die Ansprüche zurückfahren, etwa im Bereich der Inklusion.“    





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